Zur Anlage des Projektes “VISIOTOPIA”
 

“VISIOTOPIA – Eine Studie für die Zukunft unserer Gesellschaft” ist der abschließende Titel eines Projektes, das im Frühjahr 1999 unter dem Arbeitstitel “Gesellschaftdelphi” begann. Damals konzipierten ich und drei weitere KollegInnen am Sekretariat für Zukunftsforschung (SFZ) ein Projekt, das vier Aufgaben erfüllen sollte:

  • Es sollte die Erkenntnisse aus unseren jeweiligen Arbeitsgebieten und die verschiedenen Kompetenzen unseres Teams in einem zentralen Projekt bündeln,
  • es sollte als originäres SFZ-Projekt die damals vorhandenen Kompetenzen des Institutes über alle Stufen sozialwissenschaftlicher Forschung — von der Konzeptionierung über das Forschungsdesign und die Feldforschung bis zur Auswertung und Vermarktung — dokumentieren,
  • es sollte ein zentraler Baustein für die Profilierung  des SFZ als Zukunftsforschungsinstitut sein und
  • es sollte die Zukunftsforschung durch die Entwicklung und Erprobung neuer Instrumente bzw. die kreative Kombination und Ausgestaltung vorhandener Instrumente sowohl in ihrem Anspruch als auch in ihren Möglichkeiten weiterentwickeln.

Unter dem Motto “SFZ erkundet gesellschaftliche Zukunftsvisionen” (ZUKÜNFTE, Heft 28) sollten über die Ermittlung von Visionen, Ängsten und Wünschen Einzelner der gesellschaftliche Rückhalt, die Barrieren und die Chancen technologischer und sozialer Zukunftsvisionen erfaßbar gemacht werden, um die Durchsetzungsfähigkeit und die Durchsetzungsmechanismen wichtiger Trends besser einschätzen zu können.

Zu diesem Zweck war ein dreistufiges Forschungsdesign entwickelt worden, in dessen erster Stufe in sogenannten VisionsWerkstätten Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichster Gruppen ihre Ängste, Erwartungen und Hoffnungen bezüglich der gesellschaftlichen Entwicklung artikulierten und miteinander Visionen bzw. Bilder einer zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklung skizzierten. Da es weiterhin erklärtes Ziel war, die Ergebnisse dieses Projektes in die Politikberatung — in die Zukunftsgestaltung — einzubringen, kam der Unterscheidung zwischen einer bloßen Wahrnehmung gesellschaftlicher Entwicklungen von Seiten der TeilnehmerInnen, deren grundsätzliche Bejahung oder Ablehnung und schließlich einer subjektiv empfundenen Betroffenheit von diesen Entwicklungen zentrale Bedeutung zu.

An dieser ersten Stufe des Projektes wirkten in insgesamt zehn VisionsWerkstätten gut 100 TeilnehmerInnen mit, von Viertklässlern bis zu Senioren, von Unbeteiligten über Beobachter und Begleiter bis hin zu Praktikern der faktischen Zukunftsgestaltung. In der zweiten Projektstufe sollten die Erkenntnisse aus den VisionsWerkstätten einer repräsentativen Bevölkerungsauswahl zur Begutachtung und Beurteilung vorgelegt werden. Ziel dieser Verbreiterung der Auskunftsbasis sollte es sein zu überprüfen, ob gegebenenfalls von der verbreiteten bzw. veröffentlichten Darstellung gesellschaftlicher Zukunftserwartungen und -entwicklungen abweichende Ergebnisse aus den VisionsWerkstätten verbreitete latente Einstellungen widerspiegeln und damit für die faktische Zukunftsentwicklung Konfliktpotentiale und Felder neu notwendiger gesellschaftlicher Verständigungsprozesse offenbaren. In der dritten Projektstufe sollten schließlich als Ergebnisse der davorliegenden Stufen die zentralen und wahrscheinlichsten Trends für die nächsten zwanzig Jahre herausgefiltert und abschließend in Form von Szenarien für das Jahr 2020 übersetzt und verbildlicht werden.

Die erste Projektstufe — die VisionsWerkstätten — wurden mit großem Engagement der beteiligten Mitarbeiter am SFZ und großem Interesse von Seiten der angesprochenen Bürgerinnen und Bürger im Frühjahr und Sommer 2000 durchgeführt und die Ergebnisse auf der Sommerakademie des SFZ im September 2000 einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Infolge personeller Veränderungen im VISIOTOPIA-Team und dem Ausscheiden zweier Mitinitiatorinnen aus dem SFZ bekam das Projekt in der geplanten Gestaltung des zweiten Projektabschnittes allerdings immer mehr den Charakter einer normalen Meinungsumfrage, die zudem durchzuführen das Institut letztlich weder finanziell noch von den personellen Kapazitäten her in der Lage war. Das Projekt wurde deshalb aus finanziellen Gründen zum Februar 2001 eingestellt und infolge grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten der zu diesem Zeitpunkt noch am Projekt Interessierten bislang nicht wieder aufgenommen, obwohl die Ergebnisse des ersten, abgeschlossenen Projektabschnittes meines Erachtens die Fortführung im Sinne der ursprünglichen Konzeption nahelegen.

Ein Überblick über die Idee und den Aufbau des Projektes, der von mir als Manuskript für einen WerkstattBericht des SFZ verfaßt wurde, steht als Arbeitspapier zum // download (63 KB) zur Verfügung. Anstelle des ursprünglich geplanten WerkstattBerichts ist mittlerweile eine Veröffentlichung zu diesem Projekt beim Nomos-Verlag erfolgt, die neben einer veränderten Fassung meines Arbeitspapiers vor allem die Dokumentation der durchgeführten VisionsWerkstätten enthält
 

© Christian Trapp 2003